Nachruf Hans Biener

RID Reiten im Damensattel, Nachruf Hans Biener, Reitlehrer Ulm

In Ulm – um Ulm – und um Ulm herum – man kannte, schätzte und respektierte ihn!
Hans Biener wurde am 8. Juni 1927 in Göttingen geboren. Als Sohn eines Reitlehrers und Universitäts-Stallmeisters war Reitlehrer nicht der favorisierte Berufswunsch von Hans Biener. Nach der Handelsschule begann er 1943 seinen Berufsweg in der Stadtverwaltung Göttingen.
1944 wurde er noch eingezogen – zunächst zu Aufräumarbeiten nach alliierten Bombenangriffen, später auch zum Truppeneinzug. Am 10.05.1945 geriet er so zunächst in US-Amerikanische Gefangenschaft, wurde dann aber an die Briten überstellt. Hier gelang ihm die Flucht, somit entging er der harten Zwangsarbeit im englischen Bergbau.
Unterschlupf fand er als Pfleger im Göttinger Reitstall – auch von den Engländern besetzt, aber ohne Konsequenzen für ihn. Das war der Grundstock für seinen zukünftigen beruflichen Werdegang.
In seinem Lebenslauf nennt er im Zeitraum von neun Jahren neun Ställe, in denen er gearbeitet und gelernt hat. Bei Egon von Neindorff erlernte er das Reiten im Damensattel. Auch arbeitete er in den Niederlanden. In dieser Zeit, so wird berichtet, gab er sogar am königlichen Hof der Niederlande Unterricht im Damensattel. Von 1949-1951 wirkte er im Reit- und Turnierstall von Gustav Lange in Garmisch.
Er heiratete 1956 und das Ehepaar Biener bekam zwei Kinder. Hans Bieners beruflicher Weg führte ihn nach Münster/Westfalen und danach nach Neu-Ulm Ludwigsfeld. Ganze 15 Jahre unermüdlicher Einsatz für diesen Verein, gekoppelt mit unzähligen Überstunden und am Wochenende Turnierbegleitungen seiner Schüler, oder Musikreiten, machten ihn über die Grenzen von Ulm bekannt.
Als Vertreter der alten Reitkunst war Hans Biener für viele prägend – „den richtigen Sitz“ zu erlernen sein Grundsatz. Seine große Leidenschaft war das Damensattelreiten. Er war stolz darauf, dass alle seine Lehrlinge dies erlernen mussten. Diese Leidenschaft führte 1985 Gabriele Es Samlaoui und ihn zusammen: „Er gab mir erste Tipps und Kenntnisse im Reiten im Damensattel und begleitete mich seit dieser Zeit“ erinnert sie sich.
Ebenso engagierte er sich für das in den 1990ger Jahren mehr und mehr aufkommende turniermäßige Quadrillereiten und die Ausrichtung von Quadrillechampionaten. Im Rahmen dieser aufblühenden Mannschaftsprüfungen lernten Ulrike Mauthe und Hans Biener sich kennen.
Als 1997 der RiD gegründet wurde, war er mit dabei! Er war es auch, der als Reitlehrer für Damensattelreiten vor allem in Weißenhorn, Dietenheim, Neu-Ulm und Umgebung vielen Damen das „Gefühl des Besonderen“ vermittelt hat. Mit viel Freude, Geduld und Einfühlungsvermögen stand er immer für Fragen zum Damensattelreiten zur Verfügung, auch als er eigentlich schon längst im verdienten Ruhestand angekommen war.
Im Jahr 2007 starb seine geliebte Frau. Vielleicht auch deshalb hat er sich noch mehr für „seine Damen“ engagiert und hat uns im Süden zu jedem möglichen Events begleitet. Ebenso verstand er es perfekt, in seiner ganz speziellen humorvollen „Erzählkunst“ bei verschiedenen Anlässen  Geschichten aus Adelskreisen, gekrönte Damen und deren Leistungen im Damensattel zu portraitieren, oder  mit kleinen amüsanten Anekdoten alle Anwesenden zu erheitern.
Die alljährlich Anfang September stattfindende Historische Reiter- und Kutschengala in den Parkanlagen von Schloss Schleißheim bei München war 2018 die letzte Veranstaltung, zu dem er uns Damensattelreiterinnen begleitete. Anfang Dezember hatten wir ihn beim Adventstreffen bei Ulrike Mauthe noch in unserer Mitte – keiner hätte da damit gerechnet, dass er nur wenige Wochen später, in den frühen Morgenstunden des 5. Februar 2019 friedlich in seiner Wohnung, die er seit 40 Jahren bewohnte, für immer einschlafen würde. Gabi Es Samlaoui sagt heute: „Ich durfte ihn bis dahin begleiten und konnte mich in Würde verabschieden, das ist ein besonders wertvolles Geschenk für mich.“
Bei der Trauerfeier für Hans Biener am 22.02.2019 in der Andreaskirche in Neu-Ulm nahm der RiD in Vertretung von Ulrike Mauthe Abschied von Hans Biener.
Er lebt in unseren Herzen und Gedanken weiter. Wir werden ihn als Freund und Förderer des Reitens im Damensattel in Erinnerung behalten und vielleicht konnten wir mit diesem Abriss seines Lebens, diesen wunderbaren Menschen all denen näherbringen, die ihn nicht persönlich kennen lernen konnten.
Ruhe in Frieden – Hans Biener!


Gabriele Es Samlaoui und Ulrike Mauthe

 

RID Reiten im Damensattel e.V.

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